Gepostet im Juni, 2015

Geheimnis des baskischen Pintxo

Geheimnis des baskischen Pintxo

By am Jun 12, 2015 in Gastronomie | 0 comments

Pintxos -im übrigen Spanien „tapas“ genannt- sind im Grunde genommen etwas einfaches: ein Scheibchen Brot mit einem Aufschlag aus Schinken, Käse, Thunfisch mit Mayonaisse, Krebssalat. gegrilltem Gemüse oder irgendwas eßbarem (die Grenzen werden lediglich von der Phantasie des Koches gesetzt), verankert zum Brot mit einem kleinen Spieß (oder „pincho„). In letzter Zeit haben diese kleinen Leckereien in vielfältiger Weise evolutioniert, und werden heute in kleinen Töpfen, Schälen oder sogar auf stilisierten Porzellan-Löffelchen präsentiert. Der Spieß ist in manchem Fall auch nicht da, und jedenfalls nicht mehr notwendig, um aus einer Kombination von Elementen dieser Küche im Miniaturformat einen echten „Pintxo“ zu machen. Die Gründe, aus denen eine für die Runde im Viertel konzipierte Gastro-Innovation zu einem Exportschlager geworden ist, scheinen leicht begreifbar zu sein. Nehmen Sie an, Sie befinden sich mitten in Bilbao oder irgendwelcher anderen baskischen Stadt. Es ist Mittag. Ihr Magen meldet sich plötzlich und setzt Sie vor einer schwierigen Entscheidung: traditionelle Mahlzeit, am Tisch sitzend, oder Pintxos im Stehen und dazu ein Gläschen Wein? Hier kann der Pintxo, mit seinen derzeit mehr als 3.000 Sorten, bei jeder Kantine, Taverne, oder jedem Bar in Baskenland zur Hilfe kommen. Man erspart sich die Qual der Wahl, die Wartungszeit vor dem Essen, unnötigen Quatsch mit Kellnern und Marqueurs, Formalitäten jeder Art und in manchem Fall auch das Kochen und die Geschirrspülung. Sie strecken den Arm und bedienen sich, indem Sie nach dem Stück Ihrer Vorliebe selber greifen, oder Sie zeigen dem Barman, was auf den Tresen kommen muß. Gesprochen soll nur um den Wein zu bestellen. Praktizität, Unmittelbarkeit, Freiheit, dies alles erklärt auch in verständlicher Forma den Erfolg des baskischen Pintxo. Aber… warum werden Nichteinheimische und Touristen davon fasziniert? Hier wird die Theorie komplexer und weniger intuitiv. Selbstverständlich kann leckere und hochqualitative Tapas zubereiten. Kein Patent, keine geheimen Rezepte, Zutate und Know-How gibt es dazu auch reichlich auf der Welt. Im Fall des baskischen Pintxo, erfolgreich trotz seines bescheidenen Charakters, könnte die Erklärung daran liegen, dass dieses kleine Geschöpf unserer kulinarischen Kunst nicht zum Export entwickelt worden ist, sondern um heimischen Bedarf zu decken. Der Pintxo ist bodenständig, den haben wir für uns geschaffen, als Nebenprodukt unserer kulinarischen Kunst, um dem Mensch auf der Straße eine praktische Lösung auf...

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Podcast zu Bilbao

By am Jun 11, 2015 in Bilbao-Effekt | 0 comments

Im unabhängigem Reiseportal Fernweh.de habe ich ein interessantes Podcast auf Deutsch über Bilbao gefunden mit Bewertungen von renommierten Reise- und Gastronomjournalistinnen und -journalisten. Dazu die Ansichten der Reiseleiterin Susanne Dittrich, langjährig in dieser Stadt angesiedelt und derzeit als Führerin im lokalen Museo de Bellas Artes de Bilbao tätig. Schwerpünkte dieses Berichts sind Kultur, Kunst, Lifestyle und selbstverständlich Gastronomie, wo die Meinungen wegen der Bodenständigkeit und der besonderen Eigenschaften der baskischen Küche teilweise verschieden sind. Hier das Podcast:...

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Tolle Patata Brava

Tolle Patata Brava

By am Jun 9, 2015 in Gastronomie | 0 comments

Die tollsten Patatas Bravas, die man in Bilbao kosten kann, sind im Bar Viña del Ensanche zu finden. Dieses Lokal befindet sich im Zentrum der Stadt und ist Teil eines Komplexes, der aus traditioneller Kantine (gleiche Ausstattung und Dekoration wie bei Gründung im Jahr 1927), einem Gastro-Atelier, das als Restaurant funktioniert, und wo die Gäste sehen können, wie ihre Gerichte vorbereitet werden, und einem Fachgeschäft -rund um die Ecke der Straße- für spanische Spezialitäten. Sternprodukt dieses Lokals is der berühmte Joselito-Schinken. Berichte und Meinungen in Tripadvisor und anderen Reise-Webseiten sind nicht nur positiv, sondern in manchem Fall auch enthusiastisch. Hier die Geodaten zu diesem Meilenstein der lokalen Gastronomie (Eine Ansicht der Terrasse mit ihren roten Zelten ist in Google Street View möglich durch Schieben des gelben Männchens -unten rechts- an den Marker). Die Kartoffel werden warm serviert in Raciones zu 5,00 €, fast im Rohzustand mit knusprigem Haut und (Brava-)Sause nach Geheimrezept, aber nicht sehr scharf. Als Begleitung kann man entweder ein Bier bestellen oder unter einer breiten Palette von spanischen und portugiesischen Weinsorten wählen. Top Service innen und auf der Terrasse mit ausgezeichnetem...

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Kurze Vorstellung

By am Jun 8, 2015 in Ohne Kategorie | 0 comments

Nach drei Einträgen ist es Zeit einer Vorstellung und einer Absichtserklärung. „Speisekarte Bilbao“ ist eine Anspielung an ein altes Lied des deutschen Komponisten Karl Friedrich Zöllner (1800 – 1860). Ursprünglich war dieser Blog als Teil eines Projekts, um Bilbao als Reiseziel für deutsche, österreichische und schweizerische Touristen attraktiv zu machen. Bei den ersten Vorbereitungen, als ich Informationen und Material sammelte, hat sich herausgestellt, dass es zum Thema viel mehr als städtische Sehenswürdigkeiten, feine Gastronomie und Freizeitsmöglichkeiten gibt. Deutsche Einflüße in der Geschichte Bilbaos sind wichtiger, zahlreicher und reichen weiter in die Vergangenheit als anfänglich angenommen. Zum Beispiel der preußische Naturforscher Alexander von Humboldt, der sich in den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts während seiner Reise nach Amerika mehrere Wochen in Bilbao aufhielt. Heute werden seine Aufzeichnungen zu Land, Klima und damaligen Sitten als exemplarische Quelle baskischer Geschichte immer noch zitiert. Davon und von vielem anderen geht es in diesem Blog, mit der Absicht, dem deutschprachigem Leser unterhaltsame und wertvolle Information zur Stadt Bilbao und ihrer Umgebung zu vermitteln. In dieser Seite wird über Kultur, Gastronomie und interessante Geschichten berichtet. Als Hilfe für den Besucher, der die Absicht nach unserer Stadt zu reisen oder schon unterwegs ist, kommt ein bischen Geoinformation dazu, durch Verbindungen nach webbasierten Google-Maps-Karten, die die Lage verschiedener Landmarken zeigen und zur Orientierung des Besuchers dienen. Nach Möglichkeit und Verfügbarkeit der Geodaten kann der Leser näher ans Objekt oder weiter von ihm zoomen, die Umgebung erforschen, auf Satellitenview umzustellen oder eine fotografische Erkundung auf Straßenebene durch durch Google-Streetview...

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Stadtsanierung auch unter Wasser

Stadtsanierung auch unter Wasser

By am Jun 5, 2015 in Bilbao-Effekt | 0 comments

Heute wird häufig vom sogenannten Bilbao-Effekt gesprochen, als wäre der Bau eines Museums für moderne Kunst und mehrere Wolkenkratzer die einzige Strategie, um Strukturwandelprozeße zu katalysieren und die Wirtschaft heruntergekommener Industriegebiete wieder anzukurbeln. Nicht so offenkundig, aber auch nicht weniger entscheidend, sind die Beseitigung von Altlasten und die Regenerierung von Gewässern, die infolge der rasanten Industrialisierung des 20. Jahrhunderts während Jahrzehnte stark verschmutz waren. Was wäre heute von Bilbao, wenn die Touristen neben des Guggenheim Museums Bilbao und unter der Calatrava-Brücke nur auf trübes und übel riechendes Wasser blicken könnten? Dann wäre dieser Bilbao-Effekt bestimmt nicht so cool! Seit 1979 arbeiten die Wasserverwaltung der Gemeinde (Consorcio de Aguas de Bilbao) und mehrere Gesellschaften des öffentlichen Rechts im Rahmen eines Planes zur Revitalisierung der Stadt an der Sanierung des Flußlaufes und der Wiederherstellung von natürlichen Lebensräumen in der Ria des Nervión. Mit Erfolg: seit 2002 hat man die Rückkehr von mehr als 30 Fischarten in den Fluß feststellen können, darunter der einheimische mugle (Großkopfmeeräsche), aber auch Karpfen, Meerbarsche, Aale und viele andere, die heute sogar unter den Brücken des Stadtzentrums zu sehen sind. Dazu kommt die Erhaltung von ca. 250 Vögelarten im ganzen Flußgebiet. Es gibt auch eine Angelschule für Kinder, wo den jüngsten Bürgerinnen und Bürgern gerechten Umgang mit der Umgebung und Liebe zur Natur beigebracht wird. Selbsverständlich ist das alles nicht kostenfrei gewesen… noch gerade billig. Die Bürger von Bilbao haben dafür mächtig gezahlt, weil sie wissen, dass zur Regenerierung der Stadt nicht nur emblematische Gebäude beitragen. Substanz soll auch dabei sein. Der Fluß ist das andere Guggenheim, ein Museum unter Wasser, das zweite Glied in der Gleichung: man darf Harmonie und Gleichgewicht mit der Natur nicht nur durch tolle Architektur und fortschrittliche Symbolik ausdrücken. Dies überzeugt nur und soweit auch eine gesunde Naturumgebung da ist. Und Aufwand macht es schon noch heute: flußabwärts, in Form höher Betriebskosten in den großen Kläranlagen von Lamiako und...

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