Eine Stadt, zwei Lieder

Bertolt Brecht schrieb einmal ein Lied über Bilbao, „Alter Mond von Bilbao„. In seiner Phantasie sah er unsere Stadt als ein merkwürdiger Platz, mit einem Saloon, betrunkenen Matrosen, Kabarett-Sängerinnen und Klavierspieler wie die aus alten Humphrey-Bogarth-Filmen. Niemand weiss, wie der geniale Dichter auf diese irrsinnige Darstellung, die mehr nach dem Far West oder Chicago Anno 1929 als der damaligen Atlantikküste erinnert, gekommen ist. Hat er Bilbao mit anderen Hafenstädten wie Veracruz oder Boston verwechselt? Oder schenkte er den Berichten von Seeleuten Glauben, die den Verstand vom Rotwein vernebelt hatten nach einem Aufenthalt im Hafen dieser Stadt?

Man wird es vielleicht nie wissen. Auf jeden Fall gibt es ein anderes Lied, das nicht eigentlich um Bilbao handelt, aber schon mit Bilbao zu tun hat, und die den Titel dieses Blogs inspiriert: „Die Speisekarte“. Komponist dieses Stückes war der deutsche Folklorist und Gesanglehrer Karl Friedrich Zöllner, Gründer der Männerchorbewegung im 19. Jahrhundert. Das Lied wurde 1927 vom Musik-Lehrer und Kapellmeister von Bilbao Miguel Arregui Trecet (1894-1944) ins Spanische übersetzt, und ist heute noch in manchem Repertorium sehr beliebt. Gruppen von Männern, die sich in den Kneipen versammeln und à capella singen, sind seit ca. 1930 typisch von Bilbao.

Und hier die spanische Version des Liedes „Die Speisekarte“, gesungen vom Golden Apple Quartet:

Zur Geschichte dieser Adaptierung gibt es ein interessantes Artikel, leider nur auf Spanisch erhältlich, vom Gastronomiejournalisten José Garzón.

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