Stadtsanierung auch unter Wasser

Stadtsanierung auch unter Wasser

By am Jun 5, 2015 in Bilbao-Effekt | 0 comments

Heute wird häufig vom sogenannten Bilbao-Effekt gesprochen, als wäre der Bau eines Museums für moderne Kunst und mehrere Wolkenkratzer die einzige Strategie, um Strukturwandelprozeße zu katalysieren und die Wirtschaft heruntergekommener Industriegebiete wieder anzukurbeln. Nicht so offenkundig, aber auch nicht weniger entscheidend, sind die Beseitigung von Altlasten und die Regenerierung von Gewässern, die infolge der rasanten Industrialisierung des 20. Jahrhunderts während Jahrzehnte stark verschmutz waren. Was wäre heute von Bilbao, wenn die Touristen neben des Guggenheim Museums Bilbao und unter der Calatrava-Brücke nur auf trübes und übel riechendes Wasser blicken könnten? Dann wäre dieser Bilbao-Effekt bestimmt nicht so cool!

Seit 1979 arbeiten die Wasserverwaltung der Gemeinde (Consorcio de Aguas de Bilbao) und mehrere Gesellschaften des öffentlichen Rechts im Rahmen eines Planes zur Revitalisierung der Stadt an der Sanierung des Flußlaufes und der Wiederherstellung von natürlichen Lebensräumen in der Ria des Nervión. Mit Erfolg: seit 2002 hat man die Rückkehr von mehr als 30 Fischarten in den Fluß feststellen können, darunter der einheimische mugle (Großkopfmeeräsche), aber auch Karpfen, Meerbarsche, Aale und viele andere, die heute sogar unter den Brücken des Stadtzentrums zu sehen sind. Dazu kommt die Erhaltung von ca. 250 Vögelarten im ganzen Flußgebiet. Es gibt auch eine Angelschule für Kinder, wo den jüngsten Bürgerinnen und Bürgern gerechten Umgang mit der Umgebung und Liebe zur Natur beigebracht wird.

Selbsverständlich ist das alles nicht kostenfrei gewesen… noch gerade billig. Die Bürger von Bilbao haben dafür mächtig gezahlt, weil sie wissen, dass zur Regenerierung der Stadt nicht nur emblematische Gebäude beitragen. Substanz soll auch dabei sein. Der Fluß ist das andere Guggenheim, ein Museum unter Wasser, das zweite Glied in der Gleichung: man darf Harmonie und Gleichgewicht mit der Natur nicht nur durch tolle Architektur und fortschrittliche Symbolik ausdrücken. Dies überzeugt nur und soweit auch eine gesunde Naturumgebung da ist.

Und Aufwand macht es schon noch heute: flußabwärts, in Form höher Betriebskosten in den großen Kläranlagen von Lamiako und Galindo.

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